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🌊 Wie das Wasser mir den Weg wies

Mein Weg zum 24‑Stundenschwimmen

Manchmal sind es die Zufälle, die unserem Leben eine völlig neue Richtung geben. Wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich einmal 24 Stunden am Stück schwimmen und über 42 Kilometer zurücklegen würde, hätte ich nur gelächelt. Und doch war genau das der Weg, der vor mir lag – ein Weg, der als Sehnsucht nach Abkühlung begann und zu einer lebensrettenden Konstante wurde.

 

🧭 Der Funke: Ein Sommer in Mainflingen

2019, auf einem Campingplatz in Mainflingen, begann alles. Der Badesee zog mich täglich mehrfach ins Wasser – 30 Minuten, zwei Stunden, immer wieder.

Doch direkt daneben: der Main. Ein Ort voller Kindheitserinnerungen. Ich war früher oft im Main geschwommen – bei Lohr, bei Staffelstein.

Die Idee war plötzlich da: Warum nicht wieder im Main schwimmen?

Nach kurzer Absprache mit meiner Frau baute ich mir eine kleine Schwimminsel, sprang in den Fluss und schwamm los. 7 Stunden, 11 Kilometer, bis Kleinkrotzenburg.

 

❤️‍🩹 Das Schlüsselerlebnis: Wenn der Kopf endlich schweigt

Die 11 Kilometer waren schön – aber das eigentliche Wunder geschah unterwegs. Nach etwa 5 Stunden im Wasser spürte ich etwas, das ich jahrelang nicht mehr erlebt hatte:

Tiefe, echte Entspannung.

Für jemanden mit komplexer PTBS ist so ein Moment wie ein Befreiungsschlag. Ich wusste sofort: Ich muss öfter und länger schwimmen.

Ein Monat später folgte das nächste Abenteuer: Drybag, Decke, Isomatte, warme Sachen – und los. Abends schlief ich unter einer Unterführung am Mainufer, morgens um halb sechs schwamm ich weiter bis Marktheidenfeld.

Das Ergebnis: Wochenlange Ruhe, Ausgeglichenheit, Stabilität.

 

Der Wendepunkt 2022: Das Wasser als Rettungsanker

Im Mai 2022 trafen mich mehrere traumatische Ereignisse, die meine KPTBS massiv verschlimmerten. Wieder war es das Langstreckenschwimmen, das mich rettete.

Als es zu kalt wurde, suchte ich Alternativen – und fand zufällig die 24‑Stunden‑Schwimmen in Freiberg am Neckar und Aschersleben. Meine Frau sagte sofort: „Probier es einfach aus!“

Die ersten Events:

  • September 2023 – Freiberg: 11,4 km in 9 Stunden

  • Aschersleben: 21,1 km in 15,5 Stunden – mein erster Halbmarathon

 

🏊‍♂️ Vom „Oma‑Stil“ zum strukturierten Training

Damals schwamm ich noch Brust, Kopf über Wasser – langsam, unökonomisch. Mir war klar: Wenn ich Langstrecke ernsthaft machen will, muss ich richtig schwimmen lernen.

Im Januar 2024 trat ich der Tri‑Force‑Fulda e.V. bei und lernte Kraul.

Bis heute ist Kraulen für mich eine besondere Herausforderung: Ich komme schnell in den anaeroben Bereich, finde selten den Flow. Nur dreimal schaffte ich bisher ca. 2 Stunden am Stück.

Beim Brustschwimmen dagegen finde ich sofort meinen Rhythmus: Kraft – Gleiten – Atmen.

 

📈 Schwarz auf Weiß: Die Zahlen

Trotz Kraul‑Kampf zeigt die Entwicklung klar nach oben:

  • 09/2023 – Freiberg: 11,4 km in 9 h

  • 03/2024 – Sarstedt: 27,2 km in 20 h

  • 05/2024 – Reinhardshagen: 32,1 km in 20 h

  • 09/2024 – Freiberg: 42,2 km in 24 h (Marathon!)

  • 11/2024 – Aschersleben: 42,95 km in 24 h, 3. Platz gesamt

  • 2025 – Melle & Wipperfürth: 36,6 km und 35,0 km

 

🛟 Neuer Fokus: DLRG & Abzeichen‑Marathons

Ich bin inzwischen der DLRG Schlüchtern beigetreten, um Rettungsschwimmabzeichen zu machen.

Und ja – ich habe direkt übertrieben:

  • Tag 1: Bronze, Silber, Stundenschwimmer Gold

  • Tag 2: Gold + Seepferdchen

  • Tag 3: Stundenschwimmer Bronze & Silber

 

🚩 Der Weg geht weiter

Was 2019 als spontane Flussidee begann, ist heute eine tragende Säule meines Lebens. Das Wasser urteilt nicht. Es fordert mich, es beruhigt mich, es trägt mich.

Jeder Kilometer zählt – und die nächsten Herausforderungen warten schon.