🔥 470 Kilometer für Innere Stärke: Der ungeschönte Weg an die Startlinie
🌀 Mensch, was für ein Ritt... Wenn ich die letzten Monate Revue passieren lasse, wirbelt in meinem Kopf alles durcheinander. Seit 2024 biete ich bei einem gemütlichen Glühweinabend in unserer heimischen Scheune meine großen Schwimmabenteuer an. Damals ging es noch um die Beltquerung – eine Aktion, um das Projekt vorzustellen und gleichzeitig Spenden zu sammeln. Damals hatte ich an den Main noch gar keinen Gedanken verschwendet.
💡 Doch die Idee wuchs im Stillen. Am Samstag vor dem 2. Advent 2025 wurde aus den lose gesponnenen Gedanken und den vielen intensiven Gesprächen mit meiner Frau endlich Ernst: Das Projekt "Main" wurde der Öffentlichkeit präsentiert. Das Ziel stand unumstößlich fest: Ich will den kompletten Main schwimmen. Von Mainleus bis Mainz-Kostheim. Ungefähr 470 Kilometer.
⏳ Heute, nur noch wenige Tage vor dem Start am 4. Juni 2026, blicke ich auf Monate einer extremen Vorbereitung zurück. Es war und ist ein Weg voller Höhen und Tiefen, geprägt von wunderbarer Unterstützung, aber auch von tiefen Tälern, in denen mich meine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (KPTBS) und die pure Erschöpfung fast in die Knie gezwungen haben. Wenn man mich am Start stehen sieht, sieht man nur den Schwimmer. Aber hinter den Kulissen tobte ein ganz anderer Kampf.
🛠️ Was geschafft ist – und wer die Last mitgetragen hat
🏕️ Der Planungs-Krimi mit den Campingplätzen
Mein ursprünglicher Plan war es, wie beim Schwimmen auch mit dem Wohnwagen jeden Tag von Campingplatz zu Campingplatz zu wandern. Das musste ich schnell verwerfen – die Plätze liegen einfach nicht passend. Also die neue Idee: Drei bis vier Tage zu einem festen Platz schwimmen, abends abgeholt und morgens wieder zur Ausstiegsstelle gebracht werden. So muss der Wohnwagen auf der gesamten Strecke nur dreimal umziehen. Eigentlich logisch, aber mir fiel die Konzentration unglaublich schwer. Ich suchte Plätze raus, wollte sie mit den Flusskilometern abgleichen und hatte im nächsten Moment vergessen, wo das überhaupt war. Es war zum Verzweifeln. Ein guter Freund hat meine Not gesehn. Wir setzten uns einen Abend zusammen hin und brachten die Struktur rein, für die ich vier Wochen lang ergebnislos gekämpft hatte. Am Ende standen die Etappen von jeweils ca. 25 Kilometern und die 4 Campingplätze. Danke dir, dieser Abend hat mir Tonnen von Last von den Schultern genommen!
🛶 Das Begleitboot – Aus Alt mach Neu
Ein neues Boot zu kaufen oder zu mieten, war finanziell einfach nicht drin. Alles war viel zu teuer. Also reaktivierte ich mein altes Pouch RZ85 Faltboot. Da ich über mein anderes großes Hobby, das Mittelalter, viele Freunde habe, stand für mich fest: Es muss ein lautloser Elektroantrieb her. Kein stinkender Verbrennungsmotor, der mir stundenlang die Abgase ins Gesicht pustet und neben mir her blubbert. Ein befreundeter Elektriker hat mich fantastisch beraten, den perfekten Außenborder und die passende, leistungsstarke Batterie ausgesucht und schließlich die komplette Elektroinstallation übernommen. Es läuft perfekt.
📋 Die Helferliste – Licht und Schatten
Um die Logistik zu koordinieren, habe ich nach einem kostenlosen Online-Tool gesucht und bin mit Helferliste.Online fündig geworden. Mein absolut größter Lichtblick: Mein Cousin hat sich fast sofort ohne Zögern eingetragen – er wird mich für ganze 10 Tage auf dem Boot begleiten! Das hat mir so unendlich viel Hoffnung gegeben. Zwei weitere enge Freunde haben sich ebenfalls bereit erklärt, und eine Freundin reist extra aus Weilheim in Oberbayern an, um mich zu unterstützen.
💻 Technik, Livetracking & Presse
Als gelernter Fachinformatiker dachte ich eigentlich: "Die Website schüttle ich aus dem Ärmel." Aber ich hatte die Rechnung ohne die KPTBS gemacht. Mehr als ein bis zwei Stunden Konzentration am Stück waren oft einfach nicht machbar. In dieser Zeit habe ich die KI als wertvollen Assistenten schätzen gelernt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und fast zwei Monaten zäher Arbeit steht die Website nun, das Livetracking funktioniert und auch die Pressearbeit ist vorbereitet.
🎽 Das Equipment
Man glaubt gar nicht, was an Kleinigkeiten dranhängt. Passende Wettkampfbadehosen in meiner Größe zu finden, war eine echte Herausforderung – der Markt gibt da kaum was her. Bei Zasou wurde ich zum Glück fündig. Zwei Schwimmbojen und meine Badekappen liegen nun ebenfalls bereit.
📑 Die Last-Minute-Bürokratie
Anfang Mai kam plötzlich noch mal richtig Stress auf. Die Wasserschutzpolizei (die ich ca. 6 Monate vorher kontaktiert hatte und die damals meinte, sie könne es mir mangels Badeverbot nicht verbieten, sehe es aber ungern) hatte Presseanfragen bekommen. Daraufhin schaltete sich das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt ein und forderte eine offizielle Genehmigung. Der Druck stieg ins Unermessliche. Ich habe den Antrag gestellt und er wurde schließlich genehmigt – mit Auflagen, die für mich als Freiwasserschwimmer ohnehin selbstverständlich sind. Aber dieser zusätzliche Stress hätte kurz vor knapp wirklich nicht sein müssen.
😔 Die Kehrseite der Medaille: Wie es mir wirklich geht
💥 Ich möchte hier nichts beschönigen oder eine heile Welt vorgaukeln. Mir geht es zurzeit psychisch und physisch nicht wirklich gut. Die Tatsache, dass ich trotz aller Hilfe den Löwenanteil der Organisation ganz allein gestemmt habe, hat mich an meine absoluten Grenzen gebracht.
🧠 Wenn man mit einer psychischen Erkrankung lebt, kämpft man jeden Tag gegen einen unsichtbaren Gegner. Die Motivation ist oft ein Verräter. Du wachst morgens auf, dein Kopf ist voller Pläne, du willst anpacken – und am Ende des Tages sitzt du da und hast fast nichts oder überhaupt nichts geschafft. Das zermürbt.
🎗️ Genau aus diesem Grund lautet mein Slogan auch "470 Kilometer für Innere Stärke". Es geht mir bei dieser Aktion nicht darum, irgendwelche Rekorde zu brechen oder mich zu profilieren. Ich will aufmerksam machen. Aufmerksam auf die Probleme und das immense Stigma, das noch immer an psychischen Erkrankungen klebt. Ich habe in meinem Leben leider viel zu oft erleben müssen, dass man über dieses Thema nicht offen reden darf. Und wenn man es doch tut, wird man ganz schnell aus sozialen Gefügen oder Gesellschaften ausgeschlossen. Das ist bittere Realität. Dieses Projekt soll mir und allen anderen zeigen: Es gibt ein riesiges, scheinbar unerreichbares Ziel – aber ohne die Kraft, die von innen heraus kommt, schafft man es nicht. Und gleichzeitig ziehe ich aus dieser Aktion neue Kraft für mich und hoffentlich auch für andere.
💔 Trotzdem gab es auch in der Vorbereitung Momente, die mich traurig stimmen und wehgetan haben. Ich hatte gehofft, dass durch mein großes Netzwerk am Main viele Freunde aus der Mittelalterszene mein Begleitboot besetzen würden. Leider sind immer noch einige Tage offen, an denen ich ohne Besetzung auf dem Boot dastehe. Das tut weh, wenn man merkt, dass die erhoffte Unterstützung ausbleibt. Auch das Posten auf Facebook fällt mir unendlich schwer, da ich über dieses Medium in der Vergangenheit ein extrem traumatisches Erlebnis verkraften musste, das meine ganze Welt auf den Kopf gestellt hat. Dass ich mich dort trotzdem regelmäßig mit Updates zeige, kostet mich jedes Mal Überwindung.
🧸 In den Momenten, in denen mir der Kopf schwirrte, ich einfach nur unendlich müde war und alles hinschmeißen wollte, waren es mein Coach Affi und mein Zeitmanager Hagrid, die mir als mein treues Plüsch-Support-Team immer wieder Mut zugesprochen und mich zum Weiterplanen angetrieben haben.
🌊 Der Blick nach vorn: Die Sehnsucht nach dem Fluss
🔥 Der Druck, die Enttäuschungen und der Organisationsstress der letzten Wochen waren riesig. Und genau deshalb gibt es seit Mitte April nur noch einen einzigen, brennenden Wunsch in mir:
📅 Ich will, dass endlich der 4. Juni wird. Ich will an diesem Donnerstagmorgen in den Main steigen, den Boden unter den Füßen verlieren und einfach loslassen.
🌫️ Ich sehne mich so sehr nach der Ruhe, die ich nur im Wasser finde. Wenn die Welt an Land verstummt und es nur noch mich, den Fluss und den Rhythmus gibt: Zug. Atmen. Gleiten. Repeat.
⏳ Es sind nur noch ganz wenige Tage. Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr mich auf diesem Weg begleitet – sei es gedanklich, über das Livetracking auf meiner Website oder durch eine Unterstützung auf GoFundMe. Wir sehen uns am Fluss. Die Reise beginnt bald.